
Nerissa Goedhart
Aufbau des Business Case für ein Drohnen-Ersthelfer-Programm (DFR)

Die meisten Organisationen der zivilen Gefahrenabwehr, die sich mit dem Konzept Drone as First Responder (DFR) befassen, fragen sich längst nicht mehr, ob es funktioniert. Mittlerweile sind genügend Drohnen im Einsatz, um diese Frage zweifelsfrei zu beantworten. Die entscheidende Frage, von der die Umsetzung eines Programms abhängt, ist viel pragmatischer und nüchterner: Lässt sich das Projekt finanzieren – und das noch vor dem Ende des aktuellen Haushaltsjahres?
Dieser Leitfaden hilft Ihnen dabei, genau diese Argumentation aufzubauen. Er beleuchtet, was Sie tatsächlich anschaffen, welche Kosten oft übersehen werden, welche Messgrößen sinnvoll sind (wenn die reinen Kosten pro Flug keine Aussagekraft haben) und wie der Zeitplan für die Fluggenehmigung Ihren Budgetkalender beeinflusst.
Was Sie tatsächlich anschaffen
Ein DFR-Programm umfasst drei Kostenblöcke. Meist wird der erste sehr gut kalkuliert, während die anderen beiden vernachlässigt werden.
Drohnen und Dockingstationen. Der sichtbare Teil des Systems. Dockingstationen (Docks) machen aus einem klassischen Drohnenteam erst ein echtes DFR-Programm, da sie die Anfahrt zum Einsatzort überflüssig machen. Die Anzahl der benötigten Docks richtet sich nach dem abzudeckenden Gebiet und nicht nach der Größe Ihrer Drohnenflotte – ein Punkt, der in vielen Business Cases genau falsch herum angegangen wird.
Software, Integration und Konnektivität. Das Bindeglied, das aus einer Drohne und einem Dock ein einsatzbereites System macht: die Startentscheidung, die Flugroute, das Live-Bild in der Leitstelle, die Anbindung an die computerunterstützte Einsatzleitung (CAD) und Ihr Videomanagementsystem (VMS) sowie die anschließende Protokollierung. Da es sich hierbei um wiederkehrende Kosten handelt, gehören sie in das operative Budget (OPEX) und nicht in die Investitionskosten (CAPEX).
Personal und Fluggenehmigung. Remote-Piloten, deren Ausbildung und der Erhalt der Flugpraxis, der Operator in der Leitstelle sowie der Aufwand für die Erlangung der Betriebsgenehmigung. Letzteres wird regelmäßig unterschätzt und ist oft der entscheidende Faktor, der Ihren Starttermin bestimmt.
Die Kosten, die gerne übersehen werden
Fünf Kostenpunkte tauchen in fast jedem DFR-Business-Case erst verspätet auf.
Die Genehmigung an sich. Flüge zu einem Einsatzort erfolgen außerhalb der direkten Sichtweite des Piloten (BVLOS). Damit fallen sie in die „spezifische Kategorie“ und erfordern eine Risikobewertung sowie eine Betriebsgenehmigung der nationalen Luftfahrtbehörde. Das bedeutet Vorbereitungszeit, oft externe Beratung und Wartezeiten bei der Behörde.
Erhalt der Flugpraxis und Training. Piloten müssen regelmäßig geschult werden. Zudem unterscheidet sich die Rolle eines Operators in der Leitstelle, der mehrere Drohnen gleichzeitig steuert, grundlegend von der eines Piloten im Feld. Planen Sie diese Flugstunden fest im Budget ein.
Konnektivität am Dock. Ein Dock auf einem Dach benötigt Strom und eine hochzuverlässige Datenverbindung. Standortanalysen und bauliche Maßnahmen tauchen erfahrungsgemäß oft erst dann auf, wenn das Angebot für die Drohnen bereits unterschrieben ist.
Abschreibung und Ersatzbeschaffung. Eine Drohne, die mehrmals täglich startet, erreicht das Ende ihrer Lebensdauer deutlich schneller, als es ein Standard-Abschreibungsplan vorsieht. Setzen Sie den Abschreibungszeitraum daher auf Basis der erwarteten Flugstunden an. Akkus haben zudem eine begrenzte Anzahl an Ladezyklen; sie sind Verbrauchsmaterialien im laufenden Betrieb und gehören nicht zu den einmaligen Investitionskosten.
Versicherung und rechtliche Prüfung. Beides ist an sich kein Problem, nimmt jedoch beim ersten Mal meist deutlich mehr Zeit in Anspruch als gedacht.
Was Sie messen sollten
Die Kosten pro Flug sind die falsche Kennzahl – sie werden Ihr Vorhaben ausbremsen. Ein DFR-Flug ist extrem günstig, sagt aber absolut nichts über den tatsächlichen Nutzen aus. Diese vier Messgrößen überzeugen den Finanzausschuss deutlich besser:
Zeit bis zum ersten Live-Bild (Time to first visual). Die Spanne zwischen dem eingehenden Notruf und dem ersten Blick auf den Einsatzort. Das ist der Wert, den ein DFR-Programm massiv verbessert – und er ist ab dem ersten Tag messbar.
Einsätze, die ohne Entsendung von Kräften gelöst wurden. Wenn die Drohne zuerst vor Ort ist, stellt sich oft heraus, dass überhaupt keine Einsatzkräfte am Boden benötigt werden. US-Behörden erfassen dies als Anteil der Flüge, die ihre Drohnen absolviert haben. Das Police Chief Magazine beziffert diesen Wert bei etablierten Programmen auf rund ein Viertel, wobei einzelne Dienststellen teils deutlich höhere Werte melden. Messen Sie diesen Wert bei Ihren eigenen Einsätzen und prüfen Sie vorab, ob Ihre Einsatzrichtlinien es zulassen, einen Einsatz allein aufgrund von Drohnenbildern abzuschließen.
Bessere Lageinformationen bei Eintreffen. Schwer in Zahlen zu fassen, aber oft das stärkste Argument. Einsatzkräfte, die genau wissen, was sie vor Ort erwartet, treffen klügere Entscheidungen – ebenso wie die Einsatzleitung bei der Ressourceneinteilung.
Beweissicherung und Transparenz. Automatisierte Flüge erstellen ein lückenloses Protokoll: wer den Flug freigegeben hat, wer die Steuerung hatte und was aufgezeichnet wurde. Dies ist vor Gericht und bei der Dienstaufsicht von unschätzbarem Wert. Es lohnt sich, diesen Punkt im Business Case explizit zu nennen, da er rechtliche Bedenken im Vorfeld entkräftet.
So sieht die Praxis bei europäischen Polizeibehörden aus
Belgische Polizeizonen nutzen Drohnen zur Echtzeit-Lageerfassung bei laufenden Einsätzen. Ihre Erfahrungen sind eine wertvolle Referenz für jeden Business Case, da sie den konkreten Nutzen in den Vordergrund stellen, statt sich in technologischen Details zu verlieren.
Polizeihauptkommissar Bram Schoors bringt den Erfolg auf den Punkt: „Dank des Drohneneinsatzes über die Plattform konnten wir bereits zwei vermisste Personen wohlbehalten auffinden.“
Polizeikommissar Kristof van den Broeck erklärt, warum der Einsatz von mehr als einer Drohne die Lagebeurteilung für die Einsatzleitung revolutioniert: „Der Einsatz mehrerer Drohnen ist ein riesiger Vorteil. So können wir mit einer Drohne ganz nah an das Geschehen heranzoomen und Koordinaten durchgeben, während die andere Drohne den Überblick über den gesamten Einsatzort behält.“
Mehr Details finden Sie in ihrer Fallstudie, die sich hervorragend als Anhang für Ihren eigenen Business Case eignet.
Ausschreibungskriterien, die Sie frühzeitig festlegen sollten
Zwei Punkte sollten Sie von Anfang an in Ihr Pflichtenheft aufnehmen, anstatt sie erst später zu diskutieren.
Der Speicherort der Daten. Für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ist die Frage, wo Video- und Missionsdaten gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat, keine Nebensächlichkeit. AirHub ist ein europäisches Unternehmen, nach ISO 27001 und ISO 9001 zertifiziert und arbeitet streng nach der DSGVO sowie europäischen Datenschutzrichtlinien. Die Software kann On-Premise oder in einer privaten Cloud betrieben werden, wenn volle Kontrolle über sensible Einsatzdaten erforderlich ist. Dies frühzeitig in die Anforderungen aufzunehmen, spart später langwierige Verhandlungsrunden.
Hardware-Unabhängigkeit. Eine Plattform, die an einen bestimmten Hersteller gebunden ist, fesselt Ihre Flottenentscheidungen für die gesamte Laufzeit des Programms an diesen Anbieter. Die Festlegung auf eine hardwareunabhängige Lösung sichert Ihnen Ihre Entscheidungsfreiheit.
Das Problem mit dem Zeitplan
Hier liegt der praktische Engpass bei der Budgetplanung zum Jahresende: Ihre nationale Luftfahrtbehörde bestimmt Ihren Starttermin – und die Bearbeitungszeiten sind in vielen Mitgliedstaaten lang. Wer sich im Dezember das Budget sichert und erst im Januar das Gespräch mit der Behörde sucht, wird im ersten Quartal garantiert noch nicht fliegen.
Der einzig funktionierende Weg lautet daher: Nehmen Sie den Kontakt zur Luftfahrtbehörde bereits auf, während der Business Case noch geschrieben wird. Das kostet nichts, liefert Ihnen einen realistischen Zeitplan für Ihre Argumentation und macht aus einer optimistischen Planung ein solides, belastbares Konzept.
Unsere Seite für die zivile Gefahrenabwehr zeigt Ihnen, wie unsere Plattform Sie in jeder Phase unterstützt, und unser Beratungsteam für regulatorische Fragen begleitet Sie gerne auf dem Weg zu Ihrer Betriebsgenehmigung.


